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Google vereinheitlicht seine Datenschutzrichtlinien

Google führt einheitliche Datenschutz-Regeln ein. (Foto: arinas74 / sxc.hu, Lizenz: Royalty free)

Internetuser, welche die verschiedenen Dienste des Suchmaschinenriesen Google nutzen, werden in diesen Tagen über die Vereinheitlichung der Datenschutzrichtlinien informiert. Bislang gelten über 60 unterschiedliche Regelungen zum Datenschutz für Dienste und Webseiten wie YouTube, Google+, Picasa oder die Google Suche. Ab dem 1. März werden alle diese Regelungen in einer einheitlichen Datenschutzrichtlinie zusammengefasst. Was bedeuten diese Änderungen für den User?

Datenschützer üben scharfe Kritik an den neuen Datenschutzrichtlinien von Google

Einheitliche Regelungen: Das klingt nach mehr Transparenz und Datenschutz. Kritiker bemängeln allerdings, dass genau das Gegenteil der Fall sei – der Suchmaschinenriese könne mithilfe der neuen Datenschutzrichtlinie einheitliche Nutzerprofile anlegen und diese für gezielte Werbeanzeigen nutzen.  Viel Zeit, sich mit den neuen Richtlinien auseinanderzusetzen, hatten die europäischen Datenschützer nicht. Die „Artikel 29 Gruppe“, die sich auf europäischer Ebene mit den neuen Datenschutzregeln befasst, hat den Konzern daher um Aufschub gebeten; ohne genaue Datenverarbeitungsprozesse zu kennen, könne die neue Richtlinie nicht beurteilt werden. Google lehnte einen Aufschub allerdings ab und möchte die Änderungen wie geplant zum 1. März einführen. Rechtlich hat der Konzern nichts zu befürchten, wenn er sich den Wünschen der Datenschützer widersetzt, denn eine Genehmigung braucht er für die Änderungen nicht.

Wogegen richtet sich nun die Kritik der Datenschützer genau? Google sammelt über alle seine Dienste detaillierte Nutzerdaten, so zum Beispiel über die Herkunft, die Vorlieben, das Kaufverhalten und das soziale Umfeld. Die unterschiedlichen Datenschutzregeln verhindern bislang, dass diese unterschiedlichen Nutzerprofile zu einem einheitlichen Profil zusammengefügt werden. Genau das sei allerdings mit der einheitlichen Datenschutzrichtlinie möglich. Genutzt werden diese Profile vor allem für personalisierte Werbung, das so genannte Behavioral Targeting: User, die Google Dienste ohne AdBlocker benutzen, werden wahrscheinlich schon bemerkt haben, dass die Anzeigen neben den Google-Suchergebnissen sich nach ihren Interessen richten.

Was erlauben Googles Datenschutzrichtlinien tatsächlich?

Die Kritik der Datenschützer – und auch die negative PR, der Google sich seit der Bekanntgabe der einheitlichen Datenschutzrichtlinie ausgesetzt sieht – wendet sich gegen die Möglichkeit, dass auch auf Webseiten, die nicht zum Suchmaschinenkonzern gehören, personalisierte Werbung angeboten werden könnte. Außerdem bestehe für User keine Möglichkeit, die neuen Datenschutzrichtlinien aktiv abzuwählen – das sogenannte Opt-out. Was ist nun dran an dieser Kritik?

Zunächst einmal unterscheiden sich Googles vereinfachte und vereinheitliche Datenschutzrichtlinien nicht sonderlich von denen anderer großer Internet-Unternehmen wie Microsoft oder Amazon. Auch dort fehlt für User die Möglichkeit, die Datenschutzrichtlinien abzuwählen – wer sich registriert, stimmt automatisch zu.

Anderen Befürchtungen der Datenschützer widersprechen die Google Datenschutzrichtlinien zudem ganz explizit. Dort heißt es:

  • „Wenn wir Ihnen auf Sie zugeschnittene Werbung anzeigen, werden wir Cookies oder eine anonyme Kennung nicht mit sensiblen Kategorien, beispielsweise basierend auf Rasse, Religion, sexuelle Orientierung oder Gesundheit, verknüpfen.“

und:

  • „Wir werden keine Informationen von DoubleClick-Cookies mit personenbezogenen Daten verknüpfen, es sei denn, wir haben diesbezüglich Ihre ausdrückliche Einwilligung erhalten.“

DoubleClick-Cookies sind die Kennzeichnungen, die interessenbasierte Werbung im Web möglich machen. Werden diese Cookies nicht mit personenbezogenen Daten verknüpft, bedeutet dies, dass User auf Webseiten, die nicht zum Konzern gehören, aber GoogleAds schalten, keine interessenbasierten Anzeigen erhalten.

Personalisierte Werbeanzeigen deaktivieren

Personalisierte Werbung von Google deaktivieren
Interessenbasierte Werbung bei Google deaktivieren

Darüber hinaus besteht tatsächlich eine Möglichkeit, die interessenbasierte Werbung auch auf Google-Webseiten abzuschalten:

Mit dem Anzeigenvorgaben-Manager von Google können Informationen abgerufen und bearbeitet werden, die Google zur Schaltung interessenbezogener Anzeigen auf Webseiten im Google-Werbenetzwerk verwendet. Es ist auch möglich, die Speicherung der eigenen Interessen vollständig zu deaktivieren. Dies hat jedoch leider keinen Einfluss darauf, wie viele Anzeigen ausgeliefert werden, doch die Anzeigen werden weniger relevant (personalisiert) sein.

Demnach verspricht der Konzern mit Deaktivierung der personalisierten Anzeigen, diese nicht mehr Mithilfe von Informationen aus der Google-Suche oder Google-Mail zu personalisieren.  Die harsche Kritik an den neuen Datenschutzrichtlinien entbehrt also zumindest zum Teil einer Grundlage.

Eine Antwort zu "Google vereinheitlicht seine Datenschutzrichtlinien"

  1. Man kann das als strategischen Rückzug von Seiten Google sehen aber ich denke nicht, dass die es lange dabei bleiben wird. Die nun gerüchteweise angekündigte Datenbrille wird zum Beispiel wieder ganz neue Datenschutzrechtliche Fragen aufwerfen.

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