Achtung: dieser Beitrag ist älter. Es kann sein, dass manche Inhalte nicht mehr aktuell sind.

Facebook geht an die Börse

Facebook muss für den geplanten Börsengang die Hosen runterlassen. (Foto: KillR-B / sxc.hu, Lizenz: Royalty free)

Anfang Februar machte Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg die Ankündigung, mit der Experten schon lange rechneten: Facebook plant den Börsengang. Mit dem Gang aufs Parkett könnte das soziale Netzwerk seinen Marktwert erheblich steigern. Allerdings muss Facebook  mit dem Börsengang auch einige Firmengeheimnisse offenlegen: Umsätze, Nutzerzahlen und gefürchtete Risiken finden sich im Facebook-Börsenprospekt.

Rekord-Emissionserlös erwartet

Ganze fünf Milliarden US-Dollar Erlös erhofft sich Facebook von der ersten Phase des Börsengangs. Das wäre eine Rekorderöffnung, größer als jedes Public Initial Offering bisher. Zum Vergleich: Als Google im Jahr 2004 an die Börse ging, betrug der Anfangserlös gerade einmal 1,3 Milliarden Dollar. Die fünf Milliarden, die Facebook laut seinem Börsenprospekt erhofft, bleiben allerdings noch hinter den Erwartungen zurück.

Der Börsengang ist für Ende Mai 2012 geplant. Wie viele Aktien das Social Network auf den Markt bringen will, ist noch nicht bekannt. Dem Marktwert des Unternehmens könnte ein gelungener Börsenstart äußerst gut tun: Experten rechnen damit, dass der Marktwert auf 75 bis 100 Milliarden Dollar ansteigt. Zuckerberg, der selbst 28 Prozent an den Facebook-Anteilen hält, hätte damit Aktien im Wert von 28 Milliarden Dollar. Und allein die fünf US-Banken, die den Börsengang einfädeln, könnten sich über 100 Millionen Dollar Erlös freuen.

Erstmals Nutzerzahlen und Umsatz veröffentlicht

Das sind enorm hohe Zahlen für ein soziales Netzwerk, in dem Internetuser Freunde treffen, quatschen und den „Gefällt mir“ Button klicken. Das Börsenprospekt, das jetzt zum ersten Mal bisher geheim gehaltene Daten über Facebook offenlegt, zeigt allerdings, dass die Erwartungen nicht übertrieben sind. So gibt es zum einen Auskunft über die Nutzerzahlen: 483 Millionen aktive Nutzer hat Facebook demnach pro Tag, die Anzahl von Kommentaren und Klicks auf den „Gefällt mir“ Button beträgt 2,7 Milliarden. 100 Milliarden Freundschaften wurden bereits geschlossen und 250 Millionen Fotos werden jeden Tag auf die Plattform hochgeladen. Noch eine Spur brisanter sind die Informationen über Gewinne und Firmengehälter, die Facebook nun erstmals offen legen musste:

  • Schwarze Zahlen schreibt Facebook seit 2009, im Jahr 2011 lag der Umsatz bei 3,71 Milliarden Dollar, der Reingewinn bei einer glatten Milliarde.
  • Den größten Umsatz erzielt Facebook mit Werbung: Werbeanzeigen machten 2011 stolze 80 Prozent des Umsatzes aus.
  • Von steigender Bedeutung sind die Zahlungen von Partnerunternehmen wie Zynga Games. Von diesen Unternehmen kassiert Facebook eine Provision für jede Transaktion.
  • Veröffentlicht wurden auch die Jahresgehälter wichtiger Vorstandsmitglieder: Vorstandsfrau Sheryl Sandberg verdient so 30,9 Millionen Dollar, Finanzchef David Ebersman 18,7 Millionen Dollar und Zuckerberg bis 2013 noch 1,5 Millionen Dollar – ab 2013 sinkt sein Gehalt auf einen symbolischen Dollar.

Welche Risiken sieht Facebook beim Börsengang?

Erstmals veröffentlichen musste der Zuckerberg-Konzern allerdings auch die Risiken, die Facebooks Marktstellung gefährden könnten. Ab Seite elf des Börsenprospektes werden diese ausführlich beschrieben. Risiken sind an erster Stelle ein Nutzerrückgang sowie der Verlust von Werbekunden; Konkurrenz sieht Facebook hier zum einen bei Google+, das Facebook-Anhänger mit interessanten Features lockt, zum anderen bei lokalen Social Networks wie Cyworld in Korea. Die asiatischen Netzwerke können ebenfalls Millionen von Usern hinter sich vereinen. Ärger hat Facebook zudem immer wieder mit Datenschützern: Das Netzwerk speichert die „Gefällt mir“ Klicks und andere Vorlieben von Usern und leitet diese an Werbepartner für gezieltes Marketing (via Facebook Ads) weiter. Um weiterer Kritik vorzubeugen, hat Zuckerberg dem Börsenprospekt einen persönlichen Brief beigelegt, indem er Facebooks Anliegen aus seiner Sicht beschreibt: Von der Verbindung zwischen Wirtschaft und User könnten beide Parteien profitieren, die Wirtschaft erhielte besseres Feedback, der Kunde bessere Produkte, die mehr auf seine Wünsche eingehen.

Eine Antwort zu "Facebook geht an die Börse"

  1. Facebook war / ist eine Besonderheit der Unternehmensbewertung. Aufgrund des immensen Wachstums und der Innovationskraft sind „alte“ Methoden der Unternehmensbewertung nicht anwendbar. Sicherlich muss man die Bewertung auch realistisch betrachten. Ein ewig progressives Wachstum gibt es nicht! Das Ziel eines IPOs, möglichst viel Geld einzunehmen, wurde eindrucksvoll erreicht. Nach und nach spiegelt der Aktienkurs jetzt den wirklichen Unternehmenswert /-preis wider!

Kommentar abschicken